Der Umzug

Selma und Görkem wohnen mit ihren Eltern und ihrem Großvater in einem alten Haus in dem kleinen Dorf Olderstedt. Doch heute ist der Tag, an dem sie sich von Olderstedt verabschieden sollen. Nicht alle, Großvater wird weiterhin in Olderstedt bleiben und auch die beiden Kaninchen werden nicht nach Berlin ziehen. Aber Sina, die Katze, kommt natürlich mit. Von ihr müssen sich Selma und Görkem nicht trennen.

Viele Familienmitglieder helfen beim Umzug. Endlich sind alle Kisten im Auto verstaut. Tante Alev hupt noch einmal und fährt mit den beiden Cousins Onur und Salim los. In Berlin werden sie schon von Freunden und Bekannten erwartet. Selma und Görkem werden nun auch bald mit ihrer Eltern nach Berlin aufbrechen.

Die beiden Kinder laufen ein letztes Mal durch den Garten und klettern auf den alten Apfelbaum. „Wo steckt Sina eigentlich?“, fragt Görkem. „Wir müssen gleich los!“ „Ich habe sie den ganzen Morgen noch nicht gesehen. Das fällt mir jetzt erst auf!”, entgegnet Selma. „Vielleicht hat der Umzugslärm sie vertrieben? Lass uns zu ihrem Lieblingsplatz im Stall gehen. Sicherlich hat sie sich dort verkrochen”, schlägt Görkem vor. Die beiden Kinder rennen zum Stall. Sie rufen und locken Sina, doch die Katze zeigt sich nicht.
„Selma! Görkhan! Wo seid ihr?”, dringt Vaters Ruf in den Stall. „Beeilung ihr beiden! Wir wollen aufbrechen!” Die Kinder laufen zu ihrem Vater und erzählen ihm, dass Sina verschwunden ist. Mutter kommt ihnen mit einer Pflanze auf dem Arm entgegen, die im Auto von Tante Alev keinen Platz mehr gefunden hat. „Ich bin soweit! Von mir aus kann es los gehen! Habt ihr Sina schon in ihren Katzenkorb gesetzt?” „Nein, Sina ist verschwunden. Wir können sie nicht finden”, berichtet Selma. „Dann lasst uns alle nach ihr suchen!”, schlägt Mutter vor.

Sina ist nicht im Haus, nicht im Garten, nicht im Stall zu finden. Sina ist nirgends zu finden. Die Zeit verrinnt. Erfolglos sucht die Familie das ganze Grundstück und die Nachbarschaft ab. „Katzen lieben das Umziehen nicht. Sie bleiben lieber am gleichen Fleck.”, seufzt der Großvater und setzt sich schwerfällig auf die Bank vor dem Haus. Er wischt sich den Schweiß mit einem Taschentuch ab. „Sie spüren die Unruhe der Menschen und wissen, dass Veränderungen bevorstehen.” „Aber wir ziehen nicht ohne Sina um!”, protestiert Görkem.
„Ich fürchte, wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Wir müssen Sina erstmal hier lassen!”, erklärt die Mutter. „Wir kommen spätestens in zwei Wochen wieder her, zur Kirschernte. Dann können wir Sina nachholen”, beschwichtigt der Vater.
Selma, Görkem, Vater und Mutter umarmen Großvater ein letztes Mal und steigen dann in das Auto. Görkem umklammert die Topfpflanze, die keinen Platz in Tante Alevs Auto hatte. Der Großvater winkt. Eine Träne läuft über sein Gesicht. „Bis übernächste Woche! Dann kommen wir zu Besuch!”, ruft Mutter. Allen ist ganz traurig zu Mute. Auch über Görkems und Selmas Gesicht huschen Tränen. „Glaubt ihr, dass Sina zurückkommt?”, fragt Selma leise. „Natürlich kommt sie zurück!”, versichert Vater.
Großvater sitzt noch eine Weile auf der Bank vor dem Haus. Plötzlich streicht etwas Weiches um seine Beine. Es ist Sina. Sie maunzt und reibt sich an seiner Wade. Sie stupst ihn mit dem Kopf an. Großvater lächelt. Er streichelt Sina. „Schön, dass du bei mir geblieben bist”, murmelt er. „Glaub mir, wir zwei, wir haben es besser hier! Die Stadt würde dir nicht gefallen, da bin ich sicher.”
geändert: Donnerstag, 19. Januar 2012, 14:22